Mirella ist eine erfolgreiche YouTuberin. Und bekommt Hasskommentare für ihre Meinung, ihre Kleidung, ihren Körper. Warum sie das nicht einfach ignorieren will.

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Mirella Precek - "Ich bin zu dick, zu dünn, zu schön oder zu hässlich"
Mirellas erster Hasskommentar war: "Du bist scheiße." Doch das war leider nur der Anfang. Wie die YouTuberin mit Hass umgeht, erzählt sie auf der Z2X-Bühne.


Ich produziere seit über sechs Jahren Videos auf YouTube, poste Bilder auf Instagram, habe einen Podcast und bin somit zumindest zu einem gewissen Teil eine Person des öffentlichen Lebens. Eine Sache, die mich all die Jahre begleitet hat, sind die unzähligen Kommentare und die Bewertbarkeit von allem, was ich öffentlich mache.

Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen allerersten Hate-Kommentar: "Du bist scheiße. Die Musik ist scheiße. Mach nie mehr Videos." Das war natürlich nur der Anfang – und die Kritik wurde über die Jahre immer akribischer.

So habe ich zum Beispiel letztens gezeigt, welche Fair Fashion Items ich mir in den letzten Monaten gegönnt habe. Darunter ein roter Zweiteiler, also Rock und Top mit weißen Herzen drauf, den ich gern zu einer Hochzeit von Freunden tragen möchte. In kürzester Zeit lernte ich, dass ich ganz schön frech bin, weil ich mit meinen weißen Herzen und dem 2cm Bauchausschnitt der Braut die Schau stehlen würde. Und Rot bedeutet übrigens, dass man mit dem Bräutigam Sex hatte. Ganz schön dreist von mir! Bis auf die zwei Kommentatoren hatte sonst noch niemand in meinem Umfeld von dieser Regel gehört.

Vor circa drei Jahren habe ich 15 Kilo mehr gewogen und hatte kurze Zeit Angst, dass das Internet unter meinem Gewicht und den unzähligen Kommentaren dazu zusammenbricht. Also hab ich ein Video gemacht mit 20 Gründen, warum ich fett geworden bin. Wie zum Beispiel, weil ich allergisch auf Scheißkommentare bin oder eine Krankheit habe, weswegen ich keinen Sport mehr machen kann oder einfach, weil ich mich so schöner finde. Das Video, in dem ich über Bodyshaming aufkläre, bekam 79.000 Likes und unzählige positive Kommentare. Natürlich aber auch einige wenige Kommentare, die mich beschuldigen, Fettleibigkeit zu verharmlosen oder selbst unter einer Essstörung zu leiden.

Ich poste ein Foto, auf dem ich in Jeans und oben ohne von der Seite zu sehen bin. Die arme verdecken meine Brust und die Caption lautet: "My body, my choices". Eigentlich pretty straight forward und ohne großes Diskussionspotenzial, denn: My body my choicesMy instagram account, my picutures. Im Anschluss habe ich aber auch noch die F-Bomb gedropped. Ich habe Feminismus definiert und geschrieben, dass Feminismus für mich bedeutet, für eine Gesellschaft einzustehen, in der man selbstbestimmt und frei unabhängig vom Geschlecht leben und sein kann.

Du kannst nicht jedem gefallen

Daraufhin bekomme ich Kommentare wie: "Nix dagegen, ist ja deine Entscheidung das zu posten, aber meine Oma wäre glaub mit so einem Bild nicht stolz auf mich" oder auch "Wer provoziert, darf sich nicht über dämliche Kommentare ärgern". Doch, darf ich. Ich darf mich so viel ich will über Kommentare im Internet ärgern.

Ich darf mich darüber ärgern, dass mir jemand sagt, wie viel Haut ich zeigen darf, ohne direkt enterbt zu werden, vor allem, wenn meine Oma schon längst verstorben ist. Ich darf mich darüber aufregen, dass mir Leute schreiben, dass ich zu dick, zu dünn, zu schön oder zu hässlich bin, vor allem, wenn ich nicht danach gefragt habe, wie die Leute meinen Körper finden. Und ich darf mich auch darüber aufregen, dass mir jemand versucht, zu erklären, wie viel Bauchausschnitt auf einer Hochzeit erlaubt ist, ohne zu wissen, dass meine Freunde und Familie keine Arschlöcher sind und es deswegen den Leuten bumswurst wäre, wenn ich im Kartoffelsack dort aufkreuze.

Jeder kennt den berühmten Spruch: Don’t read the comments. Und auch viele Stars aus klassischen Medien leben nach diesem Motto. Für mich ist das aber keine Option. Mein digitaler Lebensraum und Arbeitsalltag wird ähnlich behandelt wie ein analoger.

Warum gehen wir davon aus, dass es okay und völlig normal ist, wenn Menschen im Internet eine ganz andere Persönlichkeit annehmen und plötzlich zu anonymen Arschlöchern werden. Wir müssen aufhören, das Internet als völlig abgekapseltes Paralleluniversum wahrzunehmen, indem nicht dieselben Regeln gelten wie im Real Life. Die Grenzen zwischen Digital und Analog verschwimmen immer mehr – und die Ansprüche, die ich an meine Mitmenschen habe, gelten für beide Bereiche.

Ich fordere Respekt, Akzeptanz und Empathie. Und wer das nicht aufbringen kann und anfängt, rumzupöbeln, den schmeiße ich aus meinem Wohnzimmer. Und genauso blockiere ich solche Leute auf meinen Social-Media-Profilen. Das hat dann auch nichts mit Zensur zu tun, sondern ich möchte Hass, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus oder auch fehlendem Respekt keine Plattform bieten.

Diese ganzen Kommentare haben mich gelehrt, für mich selbst einzustehen, vor allem auch für ein Umfeld zu kämpfen, in dem respektvoller Meinungsaustausch und ein emphatischer Umgang miteinander möglich ist. Ich finde es ganz großartig, wenn unter meinen Fotos und Videos diskutiert wird, ohne jemanden persönlich anzugreifen. Dass ich Fehler machen und daran wachsen darf. Und dass nicht nur ich für einen toleranten Space kämpfe, sondern viele für mich in die Presche springen und viel untereinander geregelt und ausdiskutiert wird.

Was ich aber auch von Hate-Kommentaren gelernt habe – wir erinnern uns an meinen allerersten Hater, der einfach alle scheiße fand – du kannst nicht jedem gefallen und das ist auch völlig in Ordnung. Du darfst mich scheiße finden, du darfst auch meine Musik scheiße finden. Ich mach aber weiterhin meine Videos und du darfst jetzt nicht mehr bei mir kommentieren, denn du bist blockiert. Aber unzählige andere Kanäle sind nur einen Klick entfernt.

 

Quelle: Zeit Online





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